Äußere Wendung im UKE – Mein Erfahrungsbericht in SSW 36 + 3

Heute habe ich einen sehr persönlichen Post. Denn es geht um meine Schwangerschaft, die leider nicht so verläuft wie sie optimalerweise verlaufen sollte. Mein kleiner Mann liegt immer noch falsch herum, also mit dem Po nach unten und dem Kopf nach oben (Beckenendlage). Dies ist zum einen unpraktisch, da es die Komplikations-Wahrscheinlichkeit während der Geburt und die Kaiserschnitt-Wahrscheinlichkeit stark erhöht und zum anderen, da ich so definitiv im Krankenhaus entbinden muss. Ich hatte nämlich eigentlich eine Hausgeburt geplant. Und in der mittlerweile 37 Woche liegt die Wahrscheinlichkeit, dass er sich noch von selbst dreht bei gerade einmal 5 %. In der 33 bis 36 SSW lag dieser Wert noch bei 54 %. Naja, aber ich zähle damit auch zu den 5 % der Frauen, wo das Kind sich bei Erreichung des Geburtstermins immer noch in BEL befindet.

Versuche mein Kind zur Wendung zu bewegen:

Nach zig Versuchen ihn selbst zur Wendung zu überreden, habe ich mich nun für die äußere Wendung entschieden. Die vorherigen Versuche waren: Osteopathische Behandlungen, um das Becken zu lockern und Verspannungen zu lösen, Akupunktur in Form von Moxibustion, um das Kind zu mehr Bewegung zu animieren und akrobatische Übungen Zuhause, ebenfalls zur Lockerung des Beckens und um ihn in die richtige Richtung zu lenken.

Die äußere Wendung im UKE:

Da ich im Internet nicht gerade viel zum Thema äußere Wendung gefunden habe, möchte ich gerne selbst meine Erfahrungen dazu, mit euch teilen.

Vorgenommen habe ich die äußere Wendung im UKE in Hamburg und war sehr optimistisch, aufgrund guter Erfolgsraten (ca. 60 %). Geklappt hat es leider trotzdem nicht. Doch mehr zum Ablauf.

Wie vollzieht sich eine äußere Wendung im UKE:

Letzte Woche Freitag hatte ich das Beratungsgespräch dazu und bekam schon für den heutigen Montag den Termin für die Wendung. Optimalerweise wird die äußere Wendung zwischen der SSW 36 + 0 und der SSW 37 vollzogen. Denn dann ist das Kind noch nicht zu groß, kann aber, schon selbstständig überleben, sollte es zu Komplikationen und somit zu einem Kaiserschnitt kommen.

Die äußere Wendung wird im UKE nur von Oberärzten des Krankenhauses gemacht. Und auch das Vorgespräch fand mit einer Oberärztin statt. Dabei wird man über Chancen und Risiken aufgeklärt. Zudem bekommt man Infomaterial, welches man unterschreiben muss. Außerdem wird einiges per Ultraschall gemessen, um einschätzen zu können, ob eine Wendung überhaupt möglich ist (u. a. Größe und Lage sowie Proportionen des Kindes).

Der Tag der äußeren Wendung:

Heute war es dann soweit. Morgens musste ich erst einmal anrufen, ob für meinen Termin wirklich Kapazitäten für die äußere Wendung vorhanden wären. Nach einer Bestätigung ging es dann um 10 Uhr ins Krankenhaus und wie auf meinem Infozettel beschrieben, direkt zum Kreißsaal. Dort musste ich leider allein hin, da dank Corona keine Begleitung mit mir mitkommen durfte. Im Kreißsaal wurde ich dann wieder weggeschickt, da ich erst zur Patientenameldung müsste. Also ging es wieder durch das halbe Krankenhaus Richtung Eingang zur Patientenanmeldung. Sowas könnte ruhig auf dem Infozettel stehen oder einem vorab mitgeteilt werden. Aber sei es drum.

Die Vorbereitungen zur äußeren Wendung:

 

Dann ging es zurück zum Kreißsaal, wo ich erst einmal in ein schickeres Outfit wechseln durfte. Also bis auf Unterwäsche und Socken alles ausziehen und in einen grünen Kittel schlüpfen. Dazu gab es noch einen breiten Bauchgurt, um die „Knöpfe“ für das CTG darunter anzubringen. Dafür bekam ich einen extra Raum im Kreißsaal, mit Bett, CTG und Co. Dann legte man mir einen Venenzugang, für den Fall, dass es zu einem Kaiserschnitt kommen sollte und um mir später ein wehenhemmendes Mittel zu injizieren.

 

 

 

Es folgte ein 50-minütiges CTG, um die Herztöne meines Kindes und meine Wehentätigkeit zu messen.Während des CTGs wurde mir noch das Mittel injiziert. Dies hätte ich gerne abgelehnt, was jedoch nicht erlaubt wurde, mit der Begründung, dass der Arzt bei der Wendung zu starken Kontakt zu meinem Becken aufnehme und dann Wehen ausgelöst werden könnten, die die Wendung unmöglich machen würden.
Grund meiner Abneigung dem Mittel gegenüber sind, dass ich Medikamente jeder Art vermeide und das Mittel unangenehme Nebenwirkungen hat. Ich hätte Herzrasen und einen heißen Kopf bekommen können. Stattdessen merkte ich nach knapp fünf Minuten am Tropf, wie zunächst meine Hände und wenig später mein ganzer Körper zu zittern begangen. Dies war wirklich sehr unangenehm, aber gehört eben leider zum Vorgehen.

Die äußere Wendung beginnt:

Endlich kam der Oberarzt und es konnte mit der Wendung beginnen werden. Dafür wurden zunächst die beiden ‚Knöpfe‘ des CTGs entfernt und der Stoffgurt. Der Arzt legte nun die eine Hand auf mein Becken und versuchte mit zwei Fingern den Steiß/Po meines Kindes zu mobilisieren bzw. aus meinem Becken zu heben. Zwischendurch werden immer wieder per CTG und Ultraschall die Lage des Kindes und dessen Herztöne kontrolliert. Bei der Wendung muss der Arzt natürlich ordentlich zudrücken und schieben. Ist der Steiß des Kindes aus dem Becken raus, wird dieser fester umschlossen und mit der anderen Hand, der Kopf des Kindes umfasst, um beides gleichzeitig zu drehen, den Steiß nach oben und den Kopf nach unten, wie bei einem Salto. Auf der Homepage des UKEs wird es so beschrieben:

Hierbei führt man durch äußere Handgriffe mit sanftem Druck das Baby in eine saltoartige Drehung innerhalb der Gebärmutter.

Wer schön sein will muss leiden aka wer ein Kind in Schädellage will muss leiden:

Dazu muss ich sagen sanft ist wirklich anders. Damit will ich die äußere Wendung keinesfalls schlecht reden und ich habe es mir ja auch ausgesucht, mit dem Wissen es würde schmerzhaft werden. Aber es tat wirklich schrecklich weh und da wir ganze vier Anläufe probierten, dauerte es natürlich auch; obgleich sich 10 Minuten nicht lang anhören. Er probierte es zwei mal in die eine und zwei mal in die andere Richtung mit der Drehung. Aber er hackte immer an einer Stelle, weil der Steiß meines Sohnes sich einfach nicht weiter bewegen wollte. Dabei ist der Schmerz für mich nicht nur sehr stark gewesen, sondern die Lage meines Kindes fühlte sich dazu noch unangenehm, weil unnatürlich, an. Und trotzdem musste ich bei der Wendung versuchen mich zu entspannen, um die Bauchmuskeln nicht anzuspannen und somit gegen die Drehung zu arbeiten. Dabei half es mir die Hand einer Schwester zu halten, mein Partner durfte wie gesagt nicht mit, und gezielt zu atmen. Eine anwesende Hebamme leitet mich diesbezüglich etwas an und redete positiv auf mich ein.

Nach der äußeren Wendung:

Bei den beiden letzten Versuchen gab ich dann doch Schmerzenslaute von mir und beim vierten und letzten Versuch dann einen so lauten Schmerzensschrei, dass der Oberarzt abgebrochen hat. Schade ist, dass ich mich frage, ob es vielleicht doch geklappt hätte, wenn ich nur etwas länger durchgehalten hätte, aber ich war auch froh, dass der Oberarzt mir die Entscheidung abnahm. Wie viel Druck auf den Bauch ausgeübt wird, wird wohl auch dadurch klar, dass der Oberarzt nach dem dritten Versuch sagte: „Wenn Sie noch einen Versuch möchten, brauche ich allerdings eine kurze Pause, da es sehr anstrengend ist.“ 

 

Mittlerweile ist es abends und ich merke tatsächlich immer noch schmerzhaft, dass ich heute eine äußere Wendung hatte. Gerade im unteren Bauch/im Beckenbereich, aber auch am oberen Bauch schmerzt es. Es fühlt sich an als hätte ich dort zwei große blaue Flecken. Zudem habe ich rote Striemen von der Drehung auf meiner trockenen Haut. Aber auch diese Schmerzen vergehen. Womit ich auch schon zu meinem „Fazit“ komme.

Würde ich die äußere Wendung mit dem jetzigen Wissen erneut versuchen:

Ich bin trotz der Schmerzen und dem missglückten Wendungsversuch froh es probiert zu haben. Denn probieren geht bekanntlich über studieren und gerade wenn es geklappt hätte, wären die Schmerzen danach schnell vergessen. Tatsächlich hätte ich mich auch immer wieder für die äußere Wendung entschieden, um dann die Chance zu haben mit „normalen“ Voraussetzungen zu entbinden. 

Ich hoffe ich konnte mit meinem Erfahrungsbericht etwas neues zum Thema äußere Wendung mit euch teilen. Und ihr traut euch auch einen Versuch zu starten, wenn ihr die gleiche Situation kommt wie ich. Wichtig ist mir, dass ihr euch nicht von meinem Bericht abschrecken lasst und diesen auch nicht als negativ in Erinnerung behaltet. Mir ist wichtig, euch so objektiv wie möglich von meinen Erfahrung zu berichten und euch bei der Entscheidungsfindung für oder gegen eine äußere Wendung zu unterstützen.

Solltet ihr noch Fragen haben oder selbst auch schon Erfahrungen mit einer äußeren Wendung, u. U. auch im UKE, gemacht haben, freue ich mich über einen regen Austausch im Kommentarbereich. 

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Bildrechte: Mirellas Testparadies

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